15 Minuten Stadt

UKS Redaktionsbeitrag 03/2023

Es galt einmal: Stadtluft macht frei. Man zog darum vom Land in die Stadt. Denn Freiheit war ein hohes Gut. Augsburg war einmal “Freie Reichsstadt”. Das gab der Stadt gewisse Souveränität und besondere Rechte. Seit den Wirtschaftswundertagen nach dem zweiten Weltkrieg war 18 zu werden und den Autoführerschein zu erwerben, Freiheit.

Zuletzt sollte, das war Wahlkampfthema der amtierenden Oberbürgermeisterin, Augsburg eine sogenannte Smart City (bzw. Blue City) werden. Alles sollte moderner, digitaler und besser werden. Nicht nur in Augsburg. Es ist kein Sonderweg, sondern Ziel der Transformation, ein viel benutztes Wort des ehemaligen Wirtschaftsministers, Peter Altmaier,  und dafür bereitgestellter Mittel und eigens geschaffener Projekte in den meisten Städten und Standorten Deutschlands, Europas und der Welt. Nun wird bereits in Hamburg an eine 15-Minuten-Stadt gedacht. Dies geschieht zeitgleich auch in Frankreich, England und vielen anderen Ländern. Vielleicht geschieht das auch bald hier am Standort? Augsburg 15-Minuten-Stadt? Oder Memmingen? Oder Ulm?

Was ist eine 15 Minuten Stadt?

Was ist eine 15 Minuten Stadt? Alltagswege sollen für alle so kurz gestaltet und gehalten werden, dass es jedem möglich wird, alle für die eigenen Grundbedürfnisse wichtigen Orte zu Fuß oder mit dem Rad zu erreichen und das in 15 Minuten und: – auf das Auto zu verzichten. Arbeitsplätze, Einkaufsmöglichkeiten, Kindergärten, Ärzte, Parkanlagen, Kultur- und Sportangebote sollen dezentral über die Stadt verstreut sein.

Verlockend? – In Hamburg soll die sogenannte Mobilitätswende genau so aussehen, “dass der Takt im ÖPNV stark erhöht und so verstärkt wird, dass ein Fahrplan nicht mehr nötig sein wird, da ohnehin sehr häufig ein Fahrzeug kommt. Car-Sharing, Ride-Sharing und ausgebaute Radwege sind ebenso Teil der Strategie. Die Innenstadt soll weitestgehend autofrei werden.” Eine Stadt der kurzen Wege. Eine smarte – eine intelligente – Zukunftsstadt. Verlockend?

Verlockungen sollte man prüfen. Im Bayerischen Rundfunk wurde kürzlich die Facette gemeldet, dass Lieferwagen und Motorräder auszunehmen seien. Für den Rest, der weiter Auto fahren möchte, gebe es ein bewilligungsfähiges Kontingent auf längere “Ausflüge”. Daran denke man in Oxford, England.

Der Mittelstand ist von solchen Konzepten stark betroffen, wird aber nicht gefragt.

Der Mittelstand ist von solchen Konzepten stark betroffen, wird aber nicht gefragt. Denn der Mittelstand will ja die bestehenden Wege für Logistik und Kundenverkehr wirtschaftlich weiterbetreiben. Viele Unternehmen leben von Automobilen, indem sie sie verkaufen, warten oder Ersatzteile verkaufen. Alle Handwerker, gerade erging die Einladung zur Nachhaltigkeitswoche der HWK in Augsburg (man soll dort Lastenräder ausprobieren), setzen Fahrzeuge ein. Von Kleinstwagen zu schweren Lastzügen. Dafür hat der Unternehmerkreis Schwaben sogar einen Gedenktag am Geburtstags des Augsburger Erfinders, Rudolf Diesel (08. März), eingeführt. Ein Interessenkonflikt zwischen Stadtoberen, Stadtplanern und Mittelstand. Was wird zu den Grundbedürfnissen gehören? Wer legt die fest? Wer ist kompetent und befugt, die Einhaltungen zu überwachen und zu sanktionieren. Denn so etwas funktioniert nur, wenn alle mitmachen! Macht dann Stadtluft frei?  Kann jeder Laden weiter bleiben. Oh, Dich brauchen wir nicht…! Ah, den Platz brauchen wir jetzt für die aus den Randgebieten…! Hmmm…, Sie hatten schon zwei Fahrten.

Soll(en) hier die
a) die Welt gerettet werden?
b) Autos und ihre immer missliebigeren Fahrer raus aus den Städten getrieben werden
c) der radelnden Klientel ein Lebenswunsch erfüllt werden?

Stadtluft macht dann nicht mehr jeden frei, oder? Bleibt Freiheit ein hohes Gut?  Was ist mit den Prämissen? Sind die belastbar? Was gefährdet und was rettet wirklich widerspruchsfrei die Welt – und welche? Wer gewinnt und wer verliert, wennn die Stadt neu gestaltet wird? Steht bei den Gewinnen auch eine echte Gegenleistung? Was für Verlockungen sind Irreführungen? Wieviel Auflagen, Beschränkungen werden noch hinzukommen? Alle fahren Rad! Alle? Lieber smart als frei?

Es braucht menschliche Vernunft und wirtschaftlichen Verstand – aber vor allem den Respekt der Freiheiten, die einmal hart erkämpft werden mussten. Gerade Augsburg, unser Standort, hat eine Geschichte.

Wir Unternehmer aus dem Mittelstand werden uns für eine Bewahrung der Standorte in Schwaben einsetzen.

UKS – Unternehmerkreis Schwaben
unternehmerkreis.org

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