Krämer-Seelen

UKS Redaktionsbeitrag 03/2023

Engstirnig, kleinlich, geizig, über alles wird Buch geführt und ohne Not wird gespart. Mittelständler sind Krämerseelen. – Diese “Kritik” erntet man als Mittelständler, wenn man seine Sorgen öffentlich kundtut und seine Forderungen formuliert. – Kritik ist wichtig. Es geht ja um ein vernünftiges Auskommen an unseren Standorten. Dafür sollen Mittelständler eben nicht kleinlich oder engstirnig sein.

Klein- und Mittelständische Betriebe sollen großzügig sein und ihre Herzen und Sinne (auch das wirtschaftliche Kalkül) öffnen. – Locker machen! Aber was? Und für was? Selten sind in den Kritiken am Mittelstand konkrete Vorschläge zu finden. Es geht wohl um Geld…. – Sucht der Mittelstand danach, findet er auf allen Ebenen der Verwaltung und Politik (auch der Selbstverwaltung in IHK/HWK) große Konzepte. Transformation. Genauer Energiewende, Verkehrswende, Zeitenwende, Digitalisierung, Kreislaufwirtschaft. Zu letzterem sei nur kurz gefragt, ob sichergestellt ist, dass aus 360° nicht Stillstand wird. Dazu gab es letztens eine rege Diskussion über den Vernunftgehalt einer ministeriellen Aussage auf dem EU Parkett.

Wer den Pfennig nicht ehrt, ist des Talers nicht wert.

In der Tat will am Standort wirtschaftenden Mittelständlern scheinen, dass allerorten “Groß Gedacht” wird. Große Chancen auf die Investitionen in die Energie-, Verkehrs- und Kreislaufwende (rechts- oder linksrum?). Wo groß gedacht wird, wir auch global gedacht. Großzügig wohlgemerkt – und gerade nicht engstirnig. Das Weltwirtschaftsforum sammelt die Verwaltungsvorsitzenden (Chief Executive Officer) der Weltkonzerne, auch derer die hier gemeldet sind und sich fürstlich subventionieren lassen. Bertelsmann arbeitet offiziell für die Agenda 21 der UN. Weltweit operierende Beratungsunternehmen, wie McKinsey, sind prominent eingeschaltet und arbeiten an Rationalisierungskonzepten. Vermögensverwalter Blackrock freut sich über ehemalige Angestellte – nun in politisch leitender Parlamentsfunkton.

Bei all den vorgenannten “Großkopferten” sei aber daran erinnert, dass auch schon in den letzten 30 Jahren großzügig Industrien plattgemacht (Kohlebergbau, Kraftwerksbetrieb, Textil, Elektronik)  oder nebst Knowhow nach China (Robotik) verlagert wurden, unzählige Arbeitsplätze dabei wegrationalisiert wurden und die Betroffenen in den steuer- und Sozialversicherung finanzierten Leistungsempfang getrieben wurden. Und all die großzügigen Konzepte (Wer zahlt eigentlich die Zeche? Sind das nicht die, die transformiert werden – also wir im Mittelstand?) kommen von Davos, Brüssel, New York oder Langley/Virginia an unseren beschaulichen und schon hochverschuldeten Standort, Augsburg.

An den hochverschuldeten Standort in bayerisch Schwaben, der schon lang seine Daseinsvorsorgeaufgaben nicht mehr angemessen erfüllt und nicht mehr erfüllen kann. So ließt sich, wenn man mal in bester Krämerart genau ist, die Transformation in eine großartige Zukunft bei der Stadt und ihren Beratungseinheiten wie auch bei der HWK und IHK wie sich Beratungen immer lesen. Viel Hochglanz. Anglizismen. Aber wenig praktische Substanz, wenn man nach den Konsequenzen schaut. Denn die Konsequenzen tragen ja wir – im Mittelstand. Investieren nach diesen transformativen Konzepten ist für einen Mittelständler Risiko pur. Subventionen sind erfahrungsgemäß ein Bumerang und erzeugen Abhängigkeiten, die freiem Unternehmertum widersprechen.

“Think BIG” – aber wer zahlt die Zeche?

So bleiben die anderen Beratungselemente. Und die kennen wir schon. Wegrationalisieren. Verlagern. Schließen. Disruption genannt. Das wollen wir aber nicht – und wir wollen auch nicht solche uns schädigenden Kostenstellen finanzieren. So ist für uns im Mittelstand die wahre Transformation auch die der Kosteneinsparung in Kommunen und Kammern. Nach unserer lokalen Agenda und nicht nach Konzepten der “Zeiten-Wende”, die uns in den Zustand eines 2.-Welt-Landes “rationalisiert”.  Schließung der nicht zur Daseinsvorsorge notwendigen Stellen, Abteilungen und Leistungsbezieher. Anpassung der Lohn- Gehalt und Alimentierungsstrukturen. Verlagerung in die Selbstverantwortung der mittelständischen Betriebe. Das ist das Konzept der Subsidiarität, die die Väter des Grundgesetzes, auch in unsere Wirtschaftsverfassung verankert wissen wollten.

Wer die Standorte bewahren will, muss sich wohl auch ein bisschen die “Krämerseele” behalten, bevor er seine Seele verkauft.

UKS – Unternehmerkreis Schwaben

unternehmerkreis.org

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